Mein 1. Jakobsweg (Tag 3)

Mein 1. Jakobsweg (Tag 3)

Lippstadt – Soest 28,9 km (67,4 km)

Die Sonne begrüßt mich schon, als ich vor das Übernachtungshaus des Vinzenz-Kollegs trat. Leider wurde an diesem Sonntag das Kolleg nicht bewirtschaftet, so dass es kein Frühstück gab. Im Büro des Kollegs den Pilgerstempel abgeholt, dann ging es zum Bahnhof. Dort gab es die Möglichkeit, sich ein belegtes Baguette zu kaufen. Schnell wurde ein Sitzplatz in der Fußgängerzone von Lippstadt gefunden, um sich für die längste Etappe zu stärken.

Etwas verschnörkelt raus aus der Stadt ging es dann längs der Lippe Richtung Eickelborn.

längs der Lippe Richtung Soest
längs der Lippe Richtung Soest

Zwischendurch hieß der Jakobsweg nicht mehr Jakobsweg, sondern Schneckenweg, aber solange ich nicht das gleiche Tempo vorlegen musste, war alles gut.

Schneckenweg zwischen Lippstadt + Soest

Mit fortschreitender Strecke stiegen die Themperaturen und die Bewaldung, die sonst immer etwas Schatten spendete, nahm ab. Zwischen Benninghausen und Eickelborn ging es links ab ins flache Land. Ob das schon die Soester Börde ist? Im Erdkundeunterricht hieß es immer: Die Kornkammer Westfalens. Sie ist es. Weit und ausladend. Wenig Bäume und wenig Schatten. Und es wird immer wärmer.

Ohne Wasser…

In Weslarn musste ich an einer Bushaltestelle eine längere Pause einlegen. Mein Liter Wasser ging dem Ende zu und nirgends eine Möglichkeit, Wasser nachzufassen. Es war Sonntag. Ca. 30°, gefühlt ein paar mehr. Aber noch lagen einige Kilometer bis Soest vor mir. Meine Schritte wurden immer kürzer. Dann von hinten ‚klack, klack, klack‘. Wurde ich im Eiltempo von einer Walkering überholt. ‚Hallo‘ klang es herüber. Hübsches Gesicht. Aber dann war sie auch schon 10 Meter weiter. ‚Klack, klack, klack‘ hallte es nach.

Die Landschaft gab nicht mehr viel her. Alles flach und abgeerntete Felder. Bis auf die Maisfelder. Die durften noch etwas weiter reifen. Aber mein Ziel war Soest und da musste ich hin. Also weiter trotten. Ab und an wurde man von Ausflüglern auf dem Rad überholt oder sie kamen einem entgegen. Sie waren zu beneiden. Kamen schnell voran und hatten etwas Fahrtwind im Gesicht. Bei meiner Trotterei konnte ich keinen Gegenwind erzeugen.

Aber plötzlich hatte ich freie Sicht auf Soest. Mein Ziel! Die Laune stieg wieder etwas und mein Schritt wurde forscher. Aber es dauerte doch noch etwas, bis ich zumindest an das Ortsschild kam.

mann, bin ich fertig…..

Langsam tappte ich durch die Außenbezirke von Soest und näherte mich dem Zentrum. Immer die Turmspitzen des Domes vor Augen. Nach weiteren 2,5 km bin ich am Petrikirchhof angekommen. Eigentlich wollte ich zum Dom, aber auf dem Petrikirchhof lockten mich Tische und Stühle mit Bewirtschaftung durch ein nahes Cafe. Ich war froh, dass ich mich setzen konnte und bestelle gleich eine große Flasche Wasser. So was von fertig und durstig war ich lange nicht. Oder noch nie.

Auf der Suche nach dem Pilgerstempel


Nach einer guten halben Stunde wurde ich aber wieder unruhig. Denn was braucht ein Pilger an jedem Etappenziel? Richtig! Den Pilgerstempel. Den sollte es im Dom geben. Also dorthin gegangen. War ja gleich gegenüber. Die schwere Domtür aufgestemmt – ahhh, war das eine herrliche Kühle im Dom. Man wurde auch gleich von einem Tisch (oder war es sogar ein Regal) mit Informationen über das Pilgern und den Dom empfangen. Und einem Schild, auf dem Stand: Stempel im Kreuzgang.
Aber wo bitte ist der Kreuzgang? Ja, ich muss mich outen. Als Evangele und Nicht-Kirchenbesucher kenne ich mich mit katholischen Kirchen nicht aus.
Also sah ich mir den riesigen Dom mal in Ruhe an und ließ die farbigen Fenster, den Haupt- und die Nebenaltäre, die Figuren an den Wänden und vor allem die Höhe des Gebäudes auf mir wirken. Wirklich imposant und hübsch anzusehen.
Nebenbei suchte ich aber auch die Stelle, wo ich meinen Pilgerpass abstempeln konnte. Nichts zu finden. Zumindest nicht von mir. Vielleicht habe ich den richtigen Blick für so etwas noch nicht.
Leider war auch niemand von dem kirchlichen Bodenpersonal zu sehen, um zu fragen. So musste ich dann ohne Pilgerstempel wieder von dannen ziehen.
Eigentlich bekommt man seinen Pilgerstempel in der Herberge, in der man übernachtet. Aber da dies mein letzter Tag war und ohne Übernachtung endet, war das nicht möglich.

Rückkehr

Nun bin ich einen Teil des ostwestfälischen Jakobsweges, der von Minden bis Soest führt, gegangen. Aber zurück nach Gütersloh wollte ich nicht den gleichen Weg gehen, sondern habe mich für den Schienenweg entschieden. Also in Soest zum Bahnhof, eine Karte nach Gütersloh über Hamm gelöst und auf die Eurobahn gewartet. Nun entspannt man sich langsam und kann in Ruhe seine Mitmenschen beobachten. Auch in der etwa 30-minütigen Fahrt nach Hamm war es hoch interessant. Über den Gang neben mir saß eine, ich vermute türkische, Familie, bei der nur eine den Ton angab. Die Mutter. Lautstark das gesamte Abteil unterhaltend sprach sie während der ganzen Fahrt auf ihre beiden Kinder und Ehemann ein, die dann immer in normaler Lautstärke antworteten. Merkt man eigentlich nicht, wenn man so aus dem Rahmen fällt?

Umstieg in Hamm. Ein etwas merkwürdiger Bahnhof. Auf den Bahnsteigen nur eine einzige Wartebank. Und die steht ausgerechnet in der Raucherzone. So nach dem Motto: Die Raucher sind eh krank und brauchen zum Rauchen eine Ruhebank.

Beim Start am Freitag sagte ich meiner Frau, dass sie mich nicht vom Bahnhof abzuholen braucht. Aber da kannte ich meinen Zustand am Sonntag noch nicht. Letztlich habe ich sie angerufen und gebeten, mich doch abzuholen. Der Geist war willig, das Fleisch aber schwach.

Fazit

Was haben mir die drei Tage Jakobsweg gebracht?

Zunächst einmal die Erkenntnis, dass ich täglich 20-30 km mit Rucksack gehen kann. Ganz wichtig für meine geplante Langstreckenwanderung im nächsten Jahr.
Zum anderen auch die Erkenntnis, dass ich mich nicht gelangweilt habe. Es war schön, die Natur zu beobachten von der Seite des Wanderers. Sonst kennt man sie nur vorbeihuschend aus dem Autofenster.
Auch die Erfahrung, fast an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu kommen, war für mich neu.
Auf jeden Fall ist Wandern für mich eine neue Betätigung geworden. Ob Eintagestouren oder zukünftig auch mehrere Wochen – ich freu mich drauf,

meint Andreas

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